Ethik des Hinduismus- eine Einführung.


Ethik des Hinduismus- die drei wichtigsten Schriften.
Prasthana- traya

Drei Schriften, nämlich die Upanishaden, die Bhagavad- gita und das Brahma Sutra bilden die Basis des Vedanta ( Prasthana- traya). Aus diesen drei Scripten wird die Hindu Ethik gebildet, die den Hindus hilft sich im täglichen Leben wie auf ihrer spirituellen Reise führen zu lassen.

Die Weisheit der Upanishaden und der Bhagavad- Gita ist es, auf der die alten Hindus ihre Ethik praktisch aufbauten und welche von den Hindus befolgt werden sollte.

Die Gesetze des Manu (Dharmashastra oder Manuva Shastra) geben Details zum sozialen Leben und Arthashastra oder Kautilya geben Details zur Politik und Wirtschaft.

Die Ethik der Upanishaden.

Upanishad bedeutet `sich in der Nähe niedersetzten`, weil die Upanishaden Studenten erklärt wurden, die sich zu den Füßen ihrer Lehrer setzten. Im Allgemeinen verkünden die Upanishaden Befreiung durch Wissen und Verwirklichung, weniger durch Glauben und Arbeit. Selbstsüchtige Wünsche sind Hindernisse für die Suchenden nach der Wahrheit ( das Höhere Selbst, auch Brahman genannt). Ein Suchender der wahren Göttlichkeit wird Erlösung erreichen, wenn er die Wahrheit erkennt, das all- durchdringende Brahman. Das Universum kam zur Existenz wegen eines uranfänglichen Wunsches vom Brahman. Jetzt ist es die Pflicht der Menschen es wieder so herzustellen wie es vor der Schöpfung war. 

Das kann durch Verzicht, Nächstenliebe, Studium und sogar Askese getan werden, was im Gegenzug dem Wahrheitssuchenden erlauben wird die Glückseligkeit zu erlangen. Wahrhaftigkeit wird ganz besonders hervorgehoben. Der, der das teuflische nicht bloßstellt, wird niemals das Brahman erreichen. Die weltliche Wahrnehmung von Geruch, Geschmack, Berührung, Gehör und Sehen trennen einen vom Wahren Selbst. Wenn jemand diese Wahrnehmungen transzendieren kann, gibt es kein Bewußtsein von irgend etwas mehr außer dem Selbst. Das ist Unsterblichkeit.

Es gibt sechs große Sprüche (Mahavakyas) aus den Upanishaden, welche den wichtigsten Einblick in diese Philosophie geben.
Hier sind sie mit einer kurzen Beschreibung:

Aham Brahmasmi: `Ich bin Brahman`: Vedisches Wissen lehrt, daß unser eigenes “Selbst`das wahre Göttliche ist. Die Wahrheit ist in uns, in unserem eigenen Herzen. Das erklärt die Identität des inneren Bewußtseins mit dem höchstem Göttlichen.

Ayam Atma Brahma: `Das Selbst ist Brahman`: Das erklärt, daß nicht nur die individuele Seele Göttlich ist, sondern alle Lebewesen mit der Absoluten Wahrheit identifiziert werden.

Tat Twam Asi:`Das bist du`: Was auch immer wir sehen oder über was wir denken, das sind wir. Wir sind das ultimative Du und Ich in allem.

Prajnanam Brahma:`Wissen ist Brahman`: Die Höchste Intelligenz ist grundsätzlich/ angeboren in uns anwesend und kann uns zurück zum Göttlichen führen. Unser Verständnis von Wahrheit ist die Wahrheit an sich.

Sarvam Kalvidam Brahma:`Das ganze Universum ist Brahman`:Nicht nur das Bewußtsein in Dir und Ich , sondern auch `das Prinzip vom Sein`sind Göttlich. Das gesamte Universum ist Göttlich, welches unser Selbst beinhaltet.

So`ham:`Hier bin ich`: Das identifiziert das Göttliche in uns Selbst im etwas, das so natürlich geschieht wie das Atmen: `So`in Einatmen und `Ham`ist der natürliche Klang des Ausatmens.

Das sind die sechs Ausführungen der Identität des individuellen Bewußtseins mit der Göttlichen Realität. Sie alle verschmelzen im und werden abgeleitet aus dem Wort Om (Aum) oder dem Göttlichem Wort `Ich bin alles`.  Alle diese Ausführungen deuten auf den Fakt hin, daß was auch immer oder wie auch immer wir anbeten, ob ein Bild, ein Buch, eine Idee oder sogar Gott, ist es das Wissen, daß die Wahrheit in uns selbst die ist, die uns ultimativ zur Selbstverwirklichung führen wird. Das Selbst ist die wahre Göttlichkeit. Das ist die Essenz der Upanishaden.

Die Bhagavad- Gita.

Die Bhagavad- Gita ist der höchste Ausdruck der Philosophie des Hinduismus. Es ist ein Kapitel des gewaltigen indischen Epos, der Mahabharata, der Sage vom Krieg zwischen den Pandavas und den Kauravas. Arjuna, der Held der Pandavas, ist grade dabei der Armee der Kauravas auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra entgegen zu treten. Auf der Gegnerischen Seite sind seine Freunde und Verwandte. Überzeugt davon, daß es falsch ist, seine Verwandten zu töten, wird Arjuna von Verzweiflung gepackt. Er legt seinen Bogen nieder und erklärt, daß er nicht kämpfen wird. Der Gott Vishnu, als Krishna inkarniert und während der Schlacht der Wagenlenker Arjunas, erklärt ihm, daß er seiner Pflicht (Dharma) folgen und kämpfen sollte. Die menschliche Seele, welche ein Teil der universellen Seele ist, ist unsterblich- daher wird eigentlich niemand wirklich getötet.

 

Ethik des Hinduismus

Krishna unterweist Arjuna auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra. Die Entstehung der Bhagavad- Gita.

 

Wenn Menschen ihren Pflichten ihrem Stand entsprechend nachgehen, ohne Anhaftung an Sieg oder Niederlage, dann können sie nicht durch ihre Taten befleckt werden (sonst sind alle Handlungen an Karma gebunden; Karma= Tun). Der Rest des “Gesangs” (Gita= Gesang, Bhagavad- Gita = Gesang Gottes) liefert die volle Philosophie und untermauert diese Einsicht. Die Essenz des Karma Yoga und der Selbstaufgabe durch Yoga des Verzichts und Yoga der Meditation (Yoga = Disziplin), durch Mystik und Hingabe werden im achtzehnten Kapitel in Form eines Gesprächs zwischen Arjuna und Krishna diskutiert. Handlungen, die nicht an die Früchte der Taten gebunden sind, sind Gott geweiht und bilden die Basis des Karma Yoga. Bhagavat- Gita lehrt die Ursache und Wirkung von Karma und wie man mit deren Manifestationen umgehen soll.

Sie lehrt auch, daß der Mensch einen freien Willen hat, welcher ihm erlaubt intelligente Entscheidungen zu treffen, welche wiederum die Manifestationen des Karma abändern können. Das ultimative Ziel jedes Hindu ist es schlechtes Karma zu reduzieren, das er in seine nächste Wiedergeburt mitnehmen könnte.

Gott ist in allen Dingen und alle Dinge sind in Gott. Aber das sichtbare Universum entspringt nur einem Teil von Vishnus Herrlichkeit (neben der materiellen Manifestation gibt es das ewig bestehende spirituelle Reich, das ebenfalls unzählige Planeten beinhaltet).

Der Eine Gott ist der Gipfel aller anderen Dinge- die strahlende Sonne der Lichter, der Verstand der Lebewesen, der Ozean der Wasser, der Himalaya von Berggipfeln, der Ganges der Flüsse. Er ist die innewohnende Essenz von allem- einschließlich dem Bösen. Er ist das Glücksspiel der Schurken, der Mut der Mutigen, die Staatskunst der Politiker, das Wissen der Wissenden.

Hindu Ethik und Verhalten.

Die Ausarbeitung des sozialen Codes ist in der Mahabharata zu finden. Es gibt vier große Ziele des menschlichen Lebens (purusharthas): dharma oder Rechtschaffenheit, artha oder Wohlstand, kama oder Lust/ Vergnügen und moksha, die spirituelle Befreiung.

Es gibt vier Lebensabschnitte: der Schüler, brahmacharya, der Haushälter, grahasthya, der Waldbewohner, vanaprastha und der wandernde Asket, sanyasa. Die ersten 24 Jahre ist man Schüler, dann 24 Jahre Haushälter mit familiären Verpflichtungen, dann gibt man alles auf und geht in den Wald und am Ende soll man sich völlig der Askese widmen, um sich auf das folgende Leben vorzubereiten. Es ist auch die Zeit, während der man das vergangenen Leben und die eigenen Taten überdenken kann.

Und es gibt vier Kasten: die Priester/ Lehrer Kaste, Brahmane, die Krieger/ Verwalter Kaste, kshatriya, die Händler Kaste, vaishya und die Arbeiter Kaste, shudra. Diese Kasten werden nicht durch die Geburt festgelegt- wie es heute in Indien üblich ist- sondern durch die Aktivitäten, zu den man sich natürlich hingezogen fühlt.

Die Manuva- shastra (der Code des Manu) gibt Details über soziale Regeln und Praktiken. Kautilya`s Artha- shastra behandelt Wirtschaft und Politik. Ein Hindu findet die Ethik in den Versen der Bhagavad- Gita. Die Gita lehrt, daß durch die best mögliche Erfüllung seiner Kasten Pflicht, mit Hingabe an Gott und ohne persönliche Ambitionen, jeder die Befreiung finden kann- in jeder Kaste. Die Lehre der Gita kann folgend zusammen gefasst werden: Deine Aufgabe ist es dich um die Tat zu kümmern, nicht um das Resultat. Viele Menschen handeln erst dann, wenn sie berechnet haben was für sie “dabei herausspringt”. Das ist genau der falsche Weg. Man soll dem inneren Drang folgen und sich nicht darum kümmern, welche Früchte dabei heraus kommen könnten- das ist die Aufgabe Gottes.

Es gibt noch weitere Schriften, die eine Einblick in die Hindu Ethik geben und das Leben der Hindus formen. Es gibt das Manasollasa aus dem 12. Jahrhundert, vom König Someshvara III Chalikya geschrieben, welches die hinduistische Moral illustriert. Gastfreundschaft, Wohltätigkeit und Ehrlichkeit werden betont. Frömmigkeit, die Ausübung von Gottesdienst und Pilgerfahrt sind auch wichtig.
Acht Tugenden der Seele werden im Gesetzbuch des Gautama erwähnt, nämlich Mitgefühl, Geduld, Genügsamkeit, Reinheit, ernsthafte Bemühung, reine Gedanken, Freiheit von Gier und Freiheit von Neid.
Auch die tamilischen Texte von Tiukkural und Naladiyar betonen die moralischen Codes.

 Ein Hindu wird angewiesen alle Emotionen zu bändigen, die zu einem sündvollen, also karma- trächtigem Leben führen. Er soll Emotionen wie Kama (Lust), Krodha (Wut), Mada (Ego, Stolz) und Matsara (Eifersucht) kontrollieren. Der moralische Kodex verschiedener Texte betont immer wieder, daß man sich dessen bewußt sein soll, daß diese gewöhnlichen aber starken menschlichen Emotionen zu Störungen in einer harmonischen Gesellschaft führen können.

Es gibt neun grundsätzliche Anforderungen, derer sich ein Hindu bewußt sein und ihnen folgen sollte:

1. Der Glaube an die Göttlichkeit der Veden
2. Das Höchste Wesen ist sowohl immanent wie transzendent, folglich Schöpfer und un-manifestierte Realität
3. Das Universum ist ein endloser Kreislauf von Schöpfung, Bewahrung und Auflösung
4. Jeder erschafft sein eigenes Schicksal durch seine Gedanken, Taten und Worte. Dieses Gesetz von Ursache und  Wirkung wird Karma genannt
5. Jede Seele entwickelt sich durch eine Serie von Geburten und Tod, bis alles Karma aufgelöst worden ist. Der Kreislauf von vielen Geburten (Samsara) ist die Gelegenheit die Wirkung von Karma loszuwerden, um Befreiung (moksha) vom ewigen Kreislauf zu erlangen. Keine einzige Seele ist von diesem Schicksal befreit.
6. Der Glaube an göttliche Wesen in unsichtbaren Welten. Gottesdienst in Tempeln, Rituale, Sakramente und persönliche Hingabe erschaffen eine Gemeinschaft mit den devas und Gott.
7. Ein Meister/ Guru ist notwendig, um den richtigen Weg zu folgen, um das Transzendentale Absolute zu kennen.
8. Alle Formen des Lebens sind heilig und sollen geliebt und geehrt werden. Alle müssen dem Weg der Gewaltlosigkeit, ahimsa, folgen.
9. Keine Religion lehrt den ” einzigen Weg” zur Erlösung. Alle aufrichtigen religiösen Pfade sind Facetten von Gottes Licht und Liebe und verdienen Toleranz und Verständnis.

(Text von Dr. Neria H. Hebbar)

 

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