Samadhi- der rätselhafte Zustand fernöstlicher Lehren.


Samadhi.
Ein Ort oder ein ultimativer Zustand?

Samadhi ist ein Wort über das man stolpert, sobald man sich mit den östlichen Philosophien zu beschäftigen beginnt.
Samadhi scheint etwas zu sein, das alle großen Lehrer und Weise erreicht haben. Jeder kennt Bilder von Yogis, die tief  in einer meditativen Pose versunken sind. Augenlider geschlossen oder halb geschlossen und manchmal ein gelassenes Lächeln, das dem ganzen ein noch magischeres Aussehen verleiht. Samadhi- der ultimative Zustand, den jeder zu erreichen versuchen sollte?

Doch was ist dieses Samadhi?

Was erleben diese Weisen, Yogis, Lehrer, wenn sie völlig erstarrt sich von der äußeren Welt zurückziehen?

Sadhguru, ein zeitgenössischer indischer Guru, beschreibt den Samadhi zustand folgendermaßen:

 

Sadhguru.

 

“Das Wort Samadhi wird größtenteils missverstanden. Menschen denken, daß Samadhi einen dem Tod ähnlichen Zustand meint. Das Wort Samadhi bedeutet wortwörtlich Samaad dhisama bedeutet Gelassenheit und dhi bedeutet buddhi oder der Intellekt. Wenn man eine Gelassenheit des Intellekts erreicht, dann ist das Samadhi.”

Ich finde es immer sehr interessant, Wörter auf ihren Ursprung zurück zu führen. Das ermöglicht einem die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes zu verstehen. Im Laufe der Zeit verselbständigt sich Bedeutung all zu gerne und am Ende weiß man gar nicht mehr, wo alles anfing. Als ich während meines Abis Bio- LK hatte, war es für mich sehr hilfreich die diversen Fachwörter in ihrer ursprünglichen Bedeutung aus dem Alt- Griechisch und Latein abzuleiten. Diese Herangehensweise hatte mir immer geholfen, die Dimension eines Ausdruckes noch genauer zu erfahren- und viele Fachwörter habe ich erst dann richtig verstanden.

Nicht anders ist es mit den Sanskritwörtern, die sich zunächst ultra geheimnisvoll anhören und so leider auch zu einer sinnlosen und zwecksentfremdeten Mystifizierung führen. Schlägt man ihre Bedeutung nach, wird die Spiritualität plötzlich sehr pragmatisch, was vor Mißbrauch schützt. “yoga”, “Kria”, “Samadhi” und all die Wörter, die einem Anfänger um die Ohren fliegen, werden plötzlich sehr verständlich und klar, wenn man sie wortwörtlich übersetzt.

Doch weiter mit Sadhguru:

“Die grundlegende Natur des Intellekts ist es zu unterscheiden. Du kannst nur zwischen einer Person und einem Baum unterscheiden, weil dein Intellekt funktioniert. Diese Unterscheidende Qualität ist sehr wichtig für das Überleben. Wenn du einen Stein brechen willst, muß du zwischen dem Stein und deinen Fingern unterscheiden, sonst wirst du dir die Finger brechen. Unterscheidungsvermögen ist ein Instrument, welches den Überlebensinstinkt, der in jeder Zelle des Körpers steckt, unterstützt und ausführt.

Wenn du deinen Intellekt transzendierst (transcendere, lat.: hinüber schreiten, also über etwas hinausgehen, hier die materielle Welt, Anm. Skyhen), wirst du gelassen und gleichmütig. Es bedeutet nicht, daß du die Fähigkeit zu unterscheiden verlierst. Wenn du den unterscheidenden Intellekt verlierst, wirst du verrückt werden. In einem Samadhi Zustand ist dein unterscheidender Intellekt völlig intakt, nur, daß du zu selben Zeit gelernt hast, ihn zu transzendieren.

Du hörst auf zu unterscheiden- du bist einfach hier und siehst das Leben, wie es wirklich funktioniert. In dem Moment, wo du deinen unterscheidenden Intellekt fallen läßt oder transzendierst, kann Unterscheidung nicht mehr existieren. (Der Intellekt ist nur ein Instrument, das wir hier bedienen, über das man sich aber erheben kann und es in seiner Funktion erkennen kann, die man dann aus einer höheren Sicht nicht mehr bedient, ohne das Verständnis dafür zu verlieren, was Wahnsinn bedeuten würde, Anm. Skyhen).

Alles wird eins, was die Realität ist. Ein solches Erlebnis gibt dir das Verständnis dafür, was Eins- Sein der Existenz bedeutet, Eine Vereinigung von allem, was existiert (alles in der materiellen Welt ist nur eine unterschiedliche Energieform, die uns als Maya blendet. Schaffen wir es uns von dem fesselndem Schauspiel Mayas loszulösen, sehen wir die Schöpfung, wie sie ist- ein Wogen von Energien, denen erst unser unterscheidender Intellekt ihre jeweilig Bedeutung gibt, Anm. Skyhen).

In diesem Zustand gibt es keine Zeit und keinen Raum. Zeit und Raum sind Schöpfungen deines Intellekts. Wenn du einmal deinen Verstand als Begrenzung transzendierst, existiert Zeit und Raum nicht mehr für dich. (Zeit und Raum werden durch unsere speziellen, menschlichen Gehirne generiert, um uns die Erfahrung in dieser Welt zu ermöglichen. unser Körper ist nur ein Vehikel, in den unsere Seele, unser spirituelles Selbst, schlüpft, um bestimmte Erfahrungen zu machen. Tiere und Pflanzen haben eine andere Zeit- und Raumwahrnehmung.  Anm. Skyhen). 
Was hier ist, ist dort, was jetzt ist, ist auch dann. Es gibt keine Vergangenheit und Zukunft für dich.

Alles ist genau hier in diesem Moment.

Der ganze Punkt an Spiritualität ist es über die Unterscheidung, über die Überlebensinstinkte hinaus zu gehen, die nur für die Materie gelten. Samadhi ist ein bestimmter Zustand von Gleichmut, in dem der Intellekt über seine normale Unterscheidung hinaus geht. Das wiederum löst einen von seinem materiellem Körper oder schafft einen Raum zwischen dem was du und dein Körper ist.”

 

Samadhi

Samadhi.

Wenn wir es schaffen, unseren unterscheidenden Intellekt zu transzendieren, wird alles um uns herum eins. Was du mir antust, tust du in Wirklichkeit dir selbst an. Alles hängt zusammen, alles bedingt alles gegenseitig in einem unentwegtem Ursache- Wirkung Spiel. Die Materielle Welt ist lediglich ein energetisches Wogen, das mit Hilfe der jeweiligen Körper und Konditionierung auf eine bestimmte Weise wahrgenommen wird und eine bestimmte Bedeutung bekommt.

Es ist das Spiel der Maya, der Illusion, die uns nur blenden kann, solange wir uns mit dem Körper identifizieren. Um ein Teil dieses Schauspiels zu werden, schlüpfen wir in einen bestimmten Körper (der in der Regel karmisch entsteht und an Ursache und Wirkung gebunden ist)  und ab dem Moment unserer Geburt werden wir darauf konditioniert, alles um uns herum auf eine bestimmte Weise zu sehen. Das erreichen des Samadhi Zustands befreit uns von den groben Fesseln der Materie und erlaubt uns die Realität so zu sehen, wie sie eigentlich ist. Wenn wir lediglich den Verstand verlieren, verlieren wir den Kontakt zur Realität und gewinnen dabei nichts.

Kali

Kali- ein Aspekt der materiellen Illusion.

Wenn wir den Verstand transzendieren, koppeln wir uns von seiner Macht ab, ohne das Verständnis für seinen Zweck zu verlieren. Zusätzlich werden wir auf eine höhere Ebene katapultiert, von der aus uns ein weitaus größeres Spektrum der Realität ermöglicht wird. Das ganze Konzept von hier und dort, von gestern und morgen bricht einfach zusammen und wir werden mit der höheren Realität unserer Existenz konfrontiert, die uns von unserer temporären Bedingtheit befreit.

 

Wenn wir Kleinkinder beobachten, so sehen wir den noch un- manifestierten Zustand sehr gut. Noch ist nichts fest, noch gibt es keine Meinungen, alles wird intuitiv erforscht und aufgenommen. Wir gehen mit einem unvoreingenommenem Strahlen durch die Welt. Erst mit den Jahren verfestigt sich eine bestimmte Lebensform und wir nehmen einen Platz im Spiel der Maya ein. Ab da haben wir Meinungen, Vorlieben und der Intellekt geht in seiner Aufgabe der Unterscheidung auf. Das bin ich, das bit du, das ist meins, das ist deins, das mag ich, das kann ich nicht leiden, und so weiter und sofort. Unsere ganze Energie wird ab da investiert, um unseren “Platz” zu sichern und zu verteidigen. Das Ego wächst und beansprucht seinen Raum und seine Zeit. Aus dem Spiel wird ernst.

Erst nach vielen Leben und vielen Erfahrungen passiert es, daß wir hier und dort das Spiel durchschauen und dessen satt werden. Indem wir immer weniger Energie in dieses Schauspiel investieren, desto mehr Energie bleibt übrig, um uns auf andere Ebenen zu katapultieren. Sobald Maya ihren Zauber verliert, wenden wir uns mehr nach Innen und somit nach “oben”. Das spirituelle Suchen beginnt.

Unser Bewußtsein wandelt sich und somit unser Körper. Wir bekommen oder entwickeln einen Körper, der schwächer auf die Reize Maya`s reagiert und einen Geist, der sich erheben möchte, alles anzweifelt und Fragen hat. Neue Wege öffnen sich und damit neue Erkenntnisse. 

 

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